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Anruf-Drills

Betrug am Telefon ist die Lücke, die eine reine Mail-Simulation offen lässt. Wer eine gefälschte E-Mail erkennt, erkennt deshalb noch lange keinen Anruf, in dem jemand unter Zeitdruck eine Überweisung verlangt. Anruf-Drills trainieren genau diese Situation — als Übung im Browser.

Sie gehören zur Programm-Stufe von Hugo Learn. In der Standard-Stufe ist der Reiter sichtbar, aber gesperrt; in der Free-Stufe erscheint er nicht. Sie finden ihn in der Anwendung unter Schulungen & Simulation → Anruf-Drills.

Eine vierminütige, verzweigte Audio-Szene. Das Telefon klingelt auf dem Bildschirm, eine KI-generierte Stimme setzt unter Druck, die Person entscheidet zwischen zwei bis vier Reaktionen, die Szene reagiert darauf. Am Ende steht die Auflösung: Ergebnis, die eigenen Entscheidungen mit Erklärung, der sichere Weg und die Warnsignale, an denen der Anruf zu erkennen gewesen wäre.

Es gibtEs gibt nicht
Eine Szene im Webbrowser, Ton plus UntertitelKeinen echten Telefonanruf
Eine generische, künstlich erzeugte StimmeKeine nachgebildete Stimme einer echten Person
Gespeicherte Wahlentscheidungen mit ZeitpunktKeinen Mikrofonzugriff, keine Aufzeichnung
Ein Ergebnis zwischen 0 und 100Keine Telefonnummer der Beschäftigten

Das ist keine Sparversion, sondern eine bewusste Entscheidung — die Begründung steht weiter unten unter „Warum kein echter Anruf?“.

Die Beschäftigten sehen nacheinander vier Bildschirme:

  1. Vorbereitung. Name Ihrer Organisation, die ungefähre Dauer und drei Hinweise: dass die Stimme künstlich erzeugt ist, dass nichts aufgezeichnet wird und dass Untertitel mitlaufen. Erst ein Klick auf Übung starten beginnt.
  2. Eingehender Anruf. Eine Karte im Telefonformat mit der Anrufer-Anzeige (etwa „Geschäftsführung“) und dem Vermerk „Unterdrückt“ statt einer Nummer. Zwei Schaltflächen: Annehmen und Ablehnen. Auch das Ablehnen ist eine Entscheidung; die Szene läuft danach weiter, weil echte Anrufer es ein zweites Mal versuchen.
  3. Gespräch. Der Ton spielt, der Untertitel steht daneben, danach kommen die Wahlmöglichkeiten als große Schaltflächen. Es läuft keine Uhr. Der Ton lässt sich anhalten und noch einmal abspielen.
  4. Auflösung. „Das war eine Übung“, dazu das Ergebnis, jede getroffene Entscheidung mit Einordnung und Begründung, der sichere Weg als nummerierte Liste und die Warnsignale.

Fällt die Tonspur aus, läuft die Übung als Text weiter. Inhaltlich ändert sich dadurch nichts — der Untertitel ist derselbe Text, den die Stimme spricht.

Jede Wahlmöglichkeit trägt ein Gewicht. Der Punktwert wird auf dem Server gerechnet, nie im Browser: Die Gewichte stehen gar nicht in dem, was der Browser bekommt, sonst könnte man die richtige Antwort vor der Entscheidung ablesen.

WahlPunkte
sicher+2
vertretbar (neutral)0
riskant−2
gefährlich (kritisch)−4

Die Summe wird auf eine Spanne von 0 bis 100 umgerechnet, damit sich Szenarien untereinander vergleichen lassen. Ab 70 gilt eine Runde als bestanden.

Am Szenario „Dringende Überweisung an einen neuen Lieferanten“ sieht das so aus:

Weg durch die SzeneErgebnis
Zweimal die sichere Antwort100, bestanden
Einmal sicher, einmal vertretbar75, bestanden
Zweimal vertretbar50, nicht bestanden
Gleich zu Beginn die gefährliche Antwort (die Szene endet dort)0, nicht bestanden

Ein Abbruch ergibt kein Ergebnis, nicht null Punkte. Wer die Seite mitten in der Übung schließt, wird als „abgebrochen“ vermerkt und geht nicht als schlechtes Ergebnis in die Auswertung ein. Das ist ein wichtiger Unterschied für die Betriebsvereinbarung.

Ein abgeschlossener Drill zählt in den Resilienz-Index mit — dieselbe Kennzahl, die auch die Mail-Simulation speist. Ein Index, nicht zwei.

Im Reiter Anruf-Drills führt die Schaltfläche Drill-Welle planen durch ein kurzes Formular:

  1. Name der Welle — frei wählbar, taucht in der Auswertung wieder auf.
  2. Szenario — zur Auswahl stehen nur Szenarien, die freigegeben und vertont sind. Ist noch keines so weit, ist die Schaltfläche gesperrt und ein Hinweis erklärt, warum.
  3. Zeitraum von/bis. Die Einladungen werden über die Arbeitstage in diesem Fenster verteilt, genau wie bei den Mail-Kampagnen — nicht alle auf einmal.
  4. Sicherheitsschalter (voreingestellt an). Die Welle wird vollständig vorbereitet, aber es geht keine Mail raus. So lässt sich alles ansehen, bevor es läuft. Zum Starten den Schalter ausschalten.
  5. Pflichtbestätigung zur Betriebsvereinbarung. Ohne Häkchen legt das Formular keine Welle an.

Die Bestätigung ist kein Hinweis, den man wegklickt. § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG erfasst „Einführung und Anwendung“. Ein neuer Kanal mit einer neuen Datenart und einer neuen Bewertung ist ein eigener mitbestimmungspflichtiger Vorgang. Eine Betriebsvereinbarung, die nur simulierte E-Mails nennt, deckt Anruf-Drills nicht ab. Deshalb verlangt das Formular eine ausdrückliche Bestätigung. Den passenden Text finden Sie im Rechtspaket unter Nachweis als § 4a.

Die Einladung ist keine Simulation, sondern eine ehrliche Ankündigung. Betreff: „Sicherheitsübung: 4 Minuten“. Als Absendername steht Ihre Organisation, die Adresse ist eine neutrale Einladungsadresse — bewusst keine Simulations-Domain. Die Mail enthält kein Zählpixel und keinen Köder.

Das hat einen Messgrund: Wäre schon die Einladung getarnt, würden zwei Dinge gleichzeitig gemessen, und am Ende ließe sich nicht sagen, worauf jemand hereingefallen ist. Die Täuschung steckt im Anruf, nicht in der Mail.

Im Text steht bereits, was in der Übung gilt: dass niemand anruft, dass die Stimme künstlich ist, dass das Mikrofon aus bleibt und dass Einzelergebnisse nicht an Vorgesetzte gehen.

Klick, dann Anruf — so läuft die reale Angriffskette. Deshalb lässt sich in einer Mail-Welle ein Anruf-Drill hinterlegen. Wer dann auf den Link in der Testmail klickt, landet nicht auf der Lernseite, sondern direkt in der Übung zum selben Vorwand.

Zwei Dinge dazu:

  • Es zählt nur ein menschlicher Klick. Sicherheitsscanner in Ihrem Mailgateway lösen keine Übung aus und erzeugen keine Zahl.
  • Klickt dieselbe Person ein zweites Mal, bekommt sie dieselbe Übung, keine neue Sitzung.

Der Nachfolge-Drill wird beim Anlegen der Mail-Welle ausgewählt. Für die Betriebsvereinbarung gilt dasselbe wie oben: Es bleibt ein Anruf-Drill, auch wenn er aus einer Mail-Kampagne heraus startet.

Der Reiter zeigt fünf Kennzahlen: eingeladen, gestartet, abgeschlossen, bestanden und das durchschnittliche Ergebnis. Darunter die Verteilung der Ergebnisse in Fünfteln (0–20, 21–40 …) und die Liste „Häufigste riskante Entscheidungen“.

Werte erscheinen erst ab fünf abgeschlossenen Runden. Darunter steht „—“.

Das ist keine Formalie. Ein Drill misst, wie eine einzelne Person unter Druck entscheidet. Bei drei Teilnehmenden in einer Abteilung ist jeder Durchschnittswert eine Personenauskunft, auch ohne Namen. Dieselbe Schwelle gilt für die Liste der riskanten Entscheidungen: Eine Antwort, die drei Personen gegeben haben, wird nicht ausgewiesen.

Die Liste zählt außerdem Antworten, nicht Personen. „Acht von zwölf haben ohne Rückruf freigegeben“ ist die Information, aus der eine Schulung entsteht. Sie ist nicht die Information, aus der ein Personalgespräch entsteht.

Die Drill-Zahlen erscheinen zusätzlich im Nachweis (Nachweis & Berichte) als eingeladen, abgeschlossen, bestanden und Durchschnitt. Beschäftigte sehen ihre eigenen Ergebnisse unter Mein Stand — das ist zugleich die Auskunft nach Art. 15 DSGVO.

Mitgeliefert werden 15 Szenarien — zwölf deutsche und drei englische — in drei Schwierigkeitsgraden:

SzenarioAnruferSchwierigkeit
Dringende Überweisung an einen neuen LieferantenGeschäftsführungmittel
Der IT-Support will Ihr PasswortIT-Supportleicht
Die Bank meldet ein gesperrtes KontoBetrugsabwehr der Hausbankmittel
Ein Lieferant meldet eine neue BankverbindungBuchhaltung eines Lieferantenschwer
Eine Behörde droht mit KontopfändungVollstreckungsstellemittel
Angeblicher Microsoft-Support wegen VirusmeldungTechnischer Supportleicht
Paketdienst braucht Zolldaten und eine GebührPaketzustellungleicht
Die Personalabteilung fragt Gehalts- und Kontodaten abPersonalabteilungmittel
Rückruf auf eine Nummer aus einer E-MailAbo-Serviceschwer
Freigabe aus einer Videokonferenz, die es nie gabBereichsleitung Finanzenschwer
Geschäftspartner braucht sofort UnterlagenGeschäftspartnermittel
Der neue Kollege braucht schnell einen Zuganginterner Anrufschwer

Dazu auf Englisch: Urgent transfer to a new supplier, The IT helpdesk asks for your password, A supplier reports new bank details.

Jedes Szenario bringt seine eigenen Warnsignale mit, die in der Auflösung erscheinen — beim CEO-Fraud etwa die unterdrückte Nummer trotz bekannter Durchwahl, die Uhrzeit als Frist, die Bitte, die Buchhaltung außen vor zu lassen, und ein Empfängerkonto, das im Stammdatensatz gar nicht steht.

In der Liste Szenarien steht zu jedem Eintrag der Anrufer, die Schwierigkeit, die Dauer, die Sprache und zwei Zustände: Ton bereit / Ton wird erzeugt / Ton fehlgeschlagen / kein Ton und, falls zutreffend, wartet auf Freigabe.

Der Ablauf dahinter:

  1. Ein Szenario entsteht oder wird geändert. Neue Sprachszenarien starten grundsätzlich im Zustand wartet auf Freigabe — anders als Mail-Vorlagen, die als freigegeben angelegt werden. Ein gesprochener Text muss gelesen worden sein, bevor er an Beschäftigte geht.
  2. Erst die Freigabe erzeugt den Ton. Nicht das Speichern. Ohne diese Trennung wäre jeder Entwurf ein Auftrag an die Sprachsynthese und jede Kommakorrektur kostete Geld.
  3. Die Vertonung läuft je Szene-Abschnitt und legt die Dateien in einem privaten Speicher ab. Ausgeliefert werden sie nur über kurzlebige, signierte Adressen — es gibt keine öffentlich erreichbare Audiodatei.
  4. Eine Änderung am Skript macht den alten Ton ungültig. Das Szenario geht zurück auf Ton wird erzeugt. Andernfalls liefe die Übung mit einem Ton, der etwas anderes sagt als der Untertitel, und niemandem fiele es auf.

Die Szenario-Bibliothek pflegt die frag.hugo-Redaktion. In Ihrer Organisation sehen Sie den Bestand und seinen Zustand; Bearbeitung und Freigabe laufen redaktionell, damit kein ungeprüfter gesprochener Text in Umlauf kommt.

Nichts zusätzlich. Anruf-Drills sind in der Programm-Stufe von Hugo Learn enthalten. Es gibt keinen eigenen Preis, keine Abrechnung je Übung und keine Minutenkosten — es wird ja auch nicht telefoniert. Die Vertonung fällt einmalig je Szenario an und wird von frag.hugo getragen.

Partner-Mandanten in der Programm-Stufe bekommen Drills automatisch; an der Abrechnung ändert sich nichts.

Andere Anbieter rufen wirklich an — automatisiert, über einen Telefonieanbieter. Technisch ließe sich das bauen. Wir tun es bewusst nicht, aus vier Gründen:

  1. Ein Testanruf braucht eine Telefonnummer. Bei Beschäftigten ist das oft die private. Sie zu erheben und für eine Übung zu verwenden ist ein eigener Eingriff — einer, der sich schwerer rechtfertigen lässt als die Übung selbst.
  2. Ein Telefonieanbieter ist ein weiterer Auftragsverarbeiter. Mit Vertrag, Verzeichniseintrag und eigener Prüfung. Für dieselbe Lernwirkung.
  3. Der Betriebsrat bekommt eine zweite, schwierigere Diskussion. Ein Anruf auf dem Diensthandy in der Mittagspause ist etwas anderes als ein Link, den man aufmacht, wenn man Zeit hat.
  4. Die Lernwirkung hängt nicht am Kanal. Was die Person üben soll, ist die Entscheidung unter Druck — und die Entscheidung ist in der Browser-Szene dieselbe. Was der echte Anruf zusätzlich liefert, ist Überraschung, nicht Erkenntnis.

Dazu kommt: Im Browser lässt sich verzweigen. Die Szene reagiert auf die Antwort und erhöht den Druck. Ein automatisierter Anruf spielt eine Ansage ab.

Für Anruf-Drills gelten dieselben Regeln wie für die Mail-Simulation — und zusätzlich zwei Dinge.

Erstens: eigene Zustimmung. Siehe oben. Eine bestehende Betriebsvereinbarung zur Phishing-Simulation reicht nicht, wenn sie nur E-Mails nennt. Das Rechtspaket enthält den Abschnitt § 4a Anruf-Drills (Vishing- und Deepfake-Übungen) zum Übernehmen.

Zweitens: die fünf Punkte, die im Gespräch immer kommen.

  • Es wird nichts aufgezeichnet — kein Mikrofonzugriff, keine Stimme der Person. Im Programmcode kommt der Aufruf, mit dem ein Browser aufs Mikrofon zugreift, gar nicht vor.
  • Gespeichert werden die Wahlentscheidungen und der Zeitpunkt, sonst nichts.
  • Abteilungswerte erscheinen erst ab fünf abgeschlossenen Runden.
  • Eine abgebrochene Runde ergibt kein Ergebnis, nicht null Punkte.
  • Keine arbeitsrechtlichen Folgen. Wer nicht besteht, bekommt zusätzliche Schulung, nie eine Meldung an Vorgesetzte.

Die Muster-Dokumente sind Vorlagen und ersetzen keine Rechtsberatung. Stimmen Sie sie betriebsindividuell ab.

Rechtsgrundlage ist Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 lit. f DSGVO — das berechtigte Interesse an der Informationssicherheit, konkretisiert durch die Pflicht aus Art. 32 Abs. 1 DSGVO. Eine Betriebsvereinbarung tritt als Kollektivvereinbarung nach Art. 88 DSGVO hinzu.

Auf § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG stützen wir uns bewusst nicht. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass eine nationale Norm keine eigene Rechtsgrundlage schafft, wenn sie die Vorgaben des Art. 88 Abs. 2 DSGVO nicht erfüllt (EuGH, Urteil vom 30.03.2023, C-34/21). Das Bundesarbeitsgericht hat § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG daraufhin für unanwendbar erklärt (BAG, Urteil vom 08.05.2025 – 8 AZR 209/21).

KI-Kennzeichnung: Art. 50 Absatz 5 der Verordnung (EU) 2024/1689 verlangt den Hinweis spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion, klar erkennbar und barrierefrei. Er steht deshalb an drei Stellen und immer als Text, nicht als Symbol: auf dem Vorbereitungsbildschirm, als Kennzeichnung „KI-Stimme · Übung“ während des Gesprächs und in der Auflösung. Die Vorschrift gilt seit dem 02.08.2026; eine Ausnahme für interne Schulungen gibt es nicht.

Keine Stimmklone. Wir bilden die Stimme einer echten Führungskraft nicht nach — auch nicht mit deren Einwilligung. Der Grund ist weniger juristisch als praktisch: Die Einwilligung der Führungskraft deckt nicht die Täuschung derjenigen, die den Anruf hören.

NIS2: § 30 Abs. 2 Nr. 7 BSIG verlangt „grundlegende Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen im Bereich der Sicherheit in der Informationstechnik“. Anruf-Drills sind Schulung in diesem Sinn. Eine Vorschrift, die Phishing- oder Anruftests fordert, gibt es nicht — weder im BSIG noch anderswo. Wer Ihnen das erzählt, zitiert etwas, das nicht existiert.

Personenbezogene Drill-Ergebnisse werden nach zwölf Monaten gelöscht. Die Frist ist je Programm einstellbar zwischen einem und 24 Monaten.

Gelöscht wird die ganze Zeile samt Ereignissen — nicht nur der begangene Weg. Der Punktestand ist selbst personenbezogen: „Person X hat 33 von 100 erreicht“ ist eine Bewertung des Verhaltens einer bestimmten Person. Den Weg zu löschen und die Note zu behalten wäre keine Löschung, sondern sähe nur so aus.

Bevor gelöscht wird, fasst die Plattform die Welle personenfrei zusammen. Diese Zusammenfassung bleibt — sonst hätten Sie am Jahresende keine Zahl mehr, mit der Sie den Fortschritt belegen können.

Zwölf Monate sind eine Hausregel, keine gesetzliche Vorgabe: Für Verhaltensdaten aus Awareness-Übungen gibt es keine Frist einer Aufsichtsbehörde. Zwölf Monate decken den Jahresvergleich ab — den einzigen fachlichen Grund, die Daten überhaupt aufzubewahren.